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Verliert man beim Abnehmen mit einem GLP-1-Medikament Muskelmasse, und wie lässt sich das verhindern?

Ja · Mäßige Evidenz

Bei GLP-1-Medikamenten verlierst du tatsächlich neben Fett auch Muskelmasse, aber du kannst das durch die Kombination aus Krafttraining und ausreichender Eiweißzufuhr weitgehend begrenzen. Bist du älter oder bereits körperlich eingeschränkt, sprich dieses Risiko unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt durch, bevor du anfängst.

Ja, bei GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid oder Tirzepatid verlierst du neben Fett auch Muskelmasse. Grob ein Viertel des verlorenen Gewichts stammt nicht aus Fettgewebe, sondern aus fettfreier Masse. Im Schnitt sind das etwa 0,86 kg in randomisierten Studien, bei einem Gewichtsverlust von 15 bis 25 Prozent kann es jedoch auf rund 6 kg anwachsen. Das entspricht in etwa dem Muskelverlust, den du sonst in mehr als zehn Jahren Alterung anhäufen würdest.

Nicht alle GLP-1-Medikamente wirken gleich. Liraglutid, das schwächer wirkende Präparat, war in einer Analyse von 22 Studien das einzige, das Gewichtsverlust erzielte, ohne messbar Muskelmasse abzubauen. Semaglutid und Tirzepatid sind deutlich effektiver beim Fett- und Gewichtsverlust, gehen aber auch mit dem stärksten Muskelschwund einher. Ob dieser Muskelverlust direkt die körperliche Funktion beeinträchtigt, ist nicht sicher: Es gibt Hinweise, dass die Muskelqualität sogar besser wird, weil weniger Fett im Muskelgewebe eingelagert ist und die Insulinsensitivität steigt. Zur Muskelkraft auf lange Sicht fehlen noch ausreichende Daten.

Das Wirksamste, was du jetzt konkret tun kannst, ist Krafttraining. Begleitetes Krafttraining über mehr als zehn Wochen steigerte in Studien die fettfreie Masse um durchschnittlich rund 3 kg und die Muskelkraft um rund 25 Prozent. Das ist auch dann relevant, wenn du das Medikament später absetzt: Wer mehr Muskelmasse erhält, hat danach ein geringeres Risiko, schnell wieder zuzunehmen.

Achte außerdem auf deine Ernährung. GLP-1-Medikamente dämpfen den Appetit stark, wodurch Mängel an Eiweiß, Kalzium, Vitamin D und Eisen drohen. Nach einem Jahr wiesen über 13 Prozent der Anwenderinnen und Anwender einen Vitamin-D-Mangel auf, und mehr als 60 Prozent nahmen zu wenig Kalzium und Eisen zu sich. In einer Vergleichsstudie hatten GLP-1-Nutzende zudem 26 bis 30 Prozent niedrigere Eisenspeicher als Menschen, die ein anderes Medikament einnahmen. Ernährungsmonitoring und eine bewusst ausreichende Eiweißzufuhr sind daher keine Überreaktion.

Ältere Menschen und Personen, die ohnehin schon wenig Muskelmasse haben, tragen bei der GLP-1-Einnahme ein erhöhtes Sarkopenie-Risiko. Mehrere Reviews nennen das als Grund, in diesen Gruppen bei der Wahl dieses Medikaments besondere Vorsicht walten zu lassen. Neue Wirkstoffe, die den Muskelabbau direkt hemmen, werden aktuell untersucht, stehen aber noch nicht für den allgemeinen Einsatz zur Verfügung.

Die Belege
8 Studien · 1 Meta-Analysen · ≈ 3.000 Teilnehmer

Basierend auf einer Netzwerk-Metaanalyse von 22 RCTs (PMID 39719170), der STEP-1-Studie (n=1961, PMID 33567185), einem systematischen Review zu Präventionsstrategien (PMID 37282803), MRT-basierter Kohortenforschung (PMID 38937282), narrativen Reviews (PMID 39481534, 41022269, 40149944) sowie einer Beobachtungsstudie zur Ernährung (PMID 41549912).

Zuletzt aktualisiert: August 2026
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