Was ist mTOR und warum spielt es beim Altern eine so wichtige Rolle?
mTOR zu hemmen verlängert das Leben von Mäusen deutlich, doch ob das beim Menschen durch Medikamente oder Ernährung erreichbar ist, bleibt unbewiesen. Weniger essen und mehr Bewegung sind derzeit die realistischsten Wege, mTOR niedrig zu halten.
mTOR ist ein molekularer Schalter in deinen Zellen, der ständig überwacht, wie viele Nährstoffe und wie viel Energie gerade verfügbar sind. Ist genug vorhanden, treibt mTOR die Zelle zu Wachstum und Proteinproduktion an. Im Kindes- und Jugendalter ist das sinnvoll, doch bleibt mTOR dauerhaft überaktiv, beschleunigt das die Zellalterung und begünstigt altersbedingte Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herzprobleme.
Die stärkste Evidenz für die Rolle von mTOR beim Altern liefern Mausstudien mit Rapamycin, einem Wirkstoff, der mTOR hemmt. Weibliche Mäuse lebten im Schnitt 249 Tage länger, männliche 154 Tage länger. Das gehört zu den robustesten Befunden der gesamten Alternsforschung. Rapamycin ist bereits zugelassen und wird beim Menschen als Immunsuppressivum nach Organtransplantationen eingesetzt. Ob es sicher genug als Anti-Aging-Mittel für gesunde Menschen ist, wird derzeit aber noch in klinischen Studien untersucht, und ob daraus je eine Standardtherapie wird, lässt sich heute nicht sagen.
Weniger essen, vor allem eine geringere Kalorienzufuhr oder weniger Protein, ist der praktischste Weg, die mTOR-Aktivität zu senken. In Tiermodellen ist das gut belegt, und beim Menschen gibt es Hinweise in dieselbe Richtung. AMPK, eine Art Energiesensor in deinen Zellen, wirkt als natürliches Gegengewicht zu mTOR: Springt AMPK bei Energiemangel an, drückt es die mTOR-Aktivität nach unten. Körperliche Bewegung und Fastenphasen aktivieren AMPK auf genau dieselbe Weise.
Curcumin (der gelbe Farbstoff in Kurkuma) und Metformin (ein Diabetesmedikament) hemmen mTOR ebenfalls, doch für beide gilt: Die Evidenz beim Menschen ist noch dünn. Curcumin wurde bislang überwiegend in Labor- und Tierversuchen untersucht; Metformin wird derzeit in der groß angelegten TAME-Studie getestet, Ergebnisse stehen jedoch noch aus. Es wäre voreilig, diese Mittel allein aufgrund ihrer Wirkung auf mTOR schon heute zu empfehlen.
Die Aussagen stützen sich auf PMID 37142830, 31631676, 40773213, 34518687, 38409646, 33360051, 35640743 und 39197808. Die Mausstudie mit Rapamycin ist stark belegt; die Evidenz für eine selektive mTORC1-Hemmung beim Menschen ist begrenzt und befindet sich noch in der Studienphase.