Wie gefährlich ist Bauchfett?
Bauchfett ist ein ernstzunehmender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinsuffizienz und vorzeitigen Tod, und das Risiko steigt, je länger es erhöht bleibt. Eine Kombination aus mediterraner Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist der am besten belegte Ansatz zur Reduktion.
Bauchfett ist nicht dasselbe wie das Fett, das du unter der Haut spüren kannst. Gemeint ist viszerales Fett: das Fett, das tief in der Bauchhöhle sitzt und die inneren Organe umgibt. Dieses Fett ist stoffwechselaktiv und kann Entzündungen sowie Insulinresistenz antreiben. Zwei große chinesische Kohortenstudien zeigen, wie gravierend die Folgen sein können. In einer Studie mit über 41.000 Teilnehmenden und 12 Jahren Follow-up hatten Menschen mit dauerhaft erhöhtem Bauchfett ein fast 3-fach höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein fast 5-fach höheres Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben, verglichen mit der Gruppe mit wenig Bauchfett. Je länger das Bauchfett erhöht blieb, desto größer war das Risiko.
Eine zweite große Kohortenstudie mit über 8.000 Teilnehmenden zeigte, dass Menschen mit viel Bauchfett, aber ohne ausgeprägte Insulinresistenz sogar das höchste kumulative Herz-Kreislauf-Risiko hatten, bis zu 87 % höher als die Niedrigrisikogruppe. Das ist bemerkenswert: Bauchfett ist auch ohne weitere Stoffwechselprobleme eigenständig gefährlich. In einer amerikanischen Studie mit knapp 25.000 Menschen war mehr Bauchfett mit einem 2,7-fach höheren Herzinsuffizienzrisiko im Vergleich der höchsten zur niedrigsten Gruppe verbunden.
Die Kombination aus geringer Muskelmasse und viel Bauchfett ist besonders ungünstig. Menschen mit dem schlechtesten Verhältnis von Muskelmasse zu Bauchfett hatten in einer amerikanischen Studie ein fast 4-fach höheres Risiko für eine Fettlebererkrankung, also eine Erkrankung, bei der sich Fett in der Leber ansammelt. Mehr Muskelmasse kann den Schaden durch Bauchfett also zumindest teilweise ausgleichen.
Was hilft, um Bauchfett zu reduzieren? Eine Kombination aus mediterraner Ernährung und mindestens zwei Stunden Bewegung pro Woche führte in einer Studie mit über 50-Jährigen mit hohem Herzrisiko innerhalb von 12 Wochen zu messbarer Reduktion des Bauchfetts. Alleiniges Sporttreiben ohne Ernährungsanpassung zeigte deutlich geringere Wirkung. Für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas, die eine medikamentöse Behandlung in Betracht ziehen: GLP-1-Agonisten wie Liraglutid reduzierten Bauchfett in einer randomisierten placebokontrollierten Studie um durchschnittlich 12,5 % gegenüber 1,6 % in der Placebogruppe. Allerdings berichteten 47 % der Anwenderinnen und Anwender von Magen-Darm-Problemen, verglichen mit 13 % in der Placebogruppe. SGLT2-Hemmer (eine andere Wirkstoffklasse) bewirken einen bescheideneren Gewichtsverlust und scheinen ebenfalls Fettansammlungen zu reduzieren, doch das Ausmaß dieses Effekts ist bisher weniger gut belegt.
Alle Aussagen basieren auf observationellen Kohortenstudien (assoziativ) sowie zwei randomisierten Studien (Liraglutid und mediterrane Ernährung plus Bewegung). Kausale Zusammenhänge für Bauchfett als Risikofaktor sind durch Interventionsstudien noch nicht belegt, doch die Assoziationen sind groß und über mehrere große Kohorten hinweg konsistent.