Bringen Antioxidantien-Nahrungsergänzungsmittel etwas?
Für gesunde Menschen sind Antioxidantien-Präparate wie Beta-Carotin und Vitamin E kein wirksamer Schutz gegen Krebs oder Herzerkrankungen, und Beta-Carotin ist für (Ex-)Raucher klar abzulehnen. Die einzige gut belegte Ausnahme ist die AREDS-Formel bei fortgeschrittener Makuladegeneration: Sprich das mit deiner Augenärztin oder deinem Augenarzt durch.
Beta-Carotin und Vitamin E sind die am besten untersuchten Antioxidantien-Präparate zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Große randomisierte Studien mit insgesamt fast hunderttausend Teilnehmern zeigen keinen Schutzeffekt. Bei Beta-Carotin kommt ein konkretes Risiko hinzu: (Ex-)Raucher, die dieses Mittel einnehmen, haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Die US-amerikanische Preventive Services Task Force kommt zu dem Schluss, dass die Nachteile von Beta-Carotin die Vorteile überwiegen und dass Vitamin E unter dem Strich keinen Nutzen bringt.
Für Multivitaminpräparate fehlen schlicht die Studien, um zu beurteilen, ob sie bei der Vorbeugung dieser Krankheiten helfen oder schaden. Das ist keine Empfehlung, sondern eine ehrliche Schlussfolgerung.
Es gibt eine klare Ausnahme: Menschen mit einer mittelschweren oder fortgeschrittenen Makuladegeneration, einer Augenerkrankung, bei der das zentrale Sehen nachlässt, profitieren von einer festen Kombination aus Antioxidantien und Zink, der sogenannten AREDS-Formel. In dieser Gruppe verhindert die Kombination etwa 78 Verschlechterungen pro tausend behandelten Personen. Bei früher Makuladegeneration ist der Effekt deutlich kleiner: nur rund 4 Fälle pro tausend weniger. Raucher und Ex-Raucher sollten auch hier die Variante ohne Beta-Carotin wählen und stattdessen auf Lutein und Zeaxanthin setzen.
Eine Zusammenfassung von 32 Metaanalysen zu Vitamin E fand für einzelne Endpunkte schwache Hinweise auf einen Nutzen, etwa bei der Gefäßwandfunktion und bestimmten Krebsarten. Für die meisten Beschwerden und Erkrankungen blieb der Beleg schwach oder fehlte ganz. Zu Antioxidantien bei Fruchtbarkeitsproblemen gibt es bisher nur Studien geringer Qualität, sodass sich daraus keine belastbare Aussage ableiten lässt.
Viel Obst und Gemüse zu essen senkt nachweislich das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und frühzeitigen Tod. Dieser Schutz kommt aber nicht allein von den Antioxidantien in diesen Lebensmitteln: Andere Inhaltsstoffe und Lebensstilfaktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Das erklärt, warum Antioxidantien aus einer Kapsel nicht dasselbe leisten wie eine abwechslungsreiche Ernährung.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere systematische Reviews, Metaanalysen und eine große multizentrische randomisierte kontrollierte Studie (PMID 11594942). Für Beta-Carotin und Vitamin E gibt es starke Hinweise auf Kausalität in negativer Richtung. Die AREDS-Evidenz ist moderat. Die Evidenz zu Fruchtbarkeit (PMID 32851694) ist nicht in der vorliegenden Studienliste enthalten und wurde bei der Bewertung nicht berücksichtigt.