Erhöht Passivrauchen das Krebsrisiko?
Passivrauchen erhöht das Krebsrisiko, am deutlichsten belegt für Lungenkrebs. Das Risiko ist real, aber geringer als beim aktiven Rauchen; Exposition so weit wie möglich zu vermeiden ist sinnvoll.
Passivrauchen erhöht das Krebsrisiko. Eine Zusammenfassung von 40 Studien zeigt, dass nennenswerte Tabakrauchbelastung das allgemeine Krebsrisiko bei Nichtrauchern um rund 16 % steigert. Dieser Effekt zeigte sich sowohl in Fall-Kontroll-Studien als auch in prospektiven Kohortenstudien.
Am klarsten belegt ist das erhöhte Risiko für Lungenkrebs. Nichtrauchende Frauen mit einem rauchenden Partner erkranken im Schnitt 24 bis 26 % häufiger an Lungenkrebs. Eine separate Auswertung von 41 Studien aus den Jahren 1997 bis 2017 kommt auf ein erhöhtes Risiko von 33 %, wenn alle Studientypen zusammengefasst werden. Betrachtet man nur die Kohortenstudien, fällt dieser Wert kleiner aus und ist statistisch nicht mehr eindeutig. Nachgewiesen ist aber eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je länger die Belastung, desto höher das Risiko, was auf einen ursächlichen Zusammenhang hindeutet. Eine große Kohortenstudie mit über 323.000 chinesischen Nichtrauchern fand dagegen keinen bedeutsamen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebssterblichkeit; dort war das Verbrennen von Holz oder Kohle in Innenräumen der stärkere Risikofaktor.
Für andere Krebsarten ist das Bild weniger eindeutig. Bei langfristiger Belastung von mehr als 15 Jahren, zu Hause oder am Arbeitsplatz, ist das Risiko für Kehlkopf- und Rachenkrebs erhöht. Für Gebärmutterhalskrebs besteht ein Zusammenhang, der sich abschwächt, sobald eine HPV-Infektion berücksichtigt wird. Für Magen-, Darm-, Leber- oder Blasenkrebs wurde kein überzeugender Zusammenhang gefunden.
Eine umfangreiche Analyse, die 2024 in Nature Medicine erschien, liefert weitere Differenzierung. Sie bewertet die Belege für Herzerkrankungen, Schlaganfall, Diabetes und Lungenkrebs als "schwach, zwei Sterne": echte Zusammenhänge, aber mit größerer Unsicherheit als oft dargestellt. Für Brustkrebs wurde ein statistisch erhöhtes Risiko gefunden (Odds Ratio ca. 1,24, das heißt etwa 24 % häufiger), doch diese Bewertung erhielt nur "einen Stern", was bedeutet, dass die tatsächliche Risikoerhöhung wahrscheinlich kleiner ist als die Zahl vermuten lässt.
Am stärksten und einheitlichsten belegt ist das erhöhte Lungenkrebsrisiko bei nichtrauchenden Frauen. Die Auswirkungen auf andere Krebsarten sind meist klein oder unsicher. Einen bekannten sicheren Grenzwert, unterhalb dessen kein Risiko besteht, gibt es nicht; weniger Belastung ist immer besser.
Basierend auf Metaanalysen, einer prospektiven Kohortenstudie (n > 323.000) und einer gepoolten Auswertung von Fall-Kontroll-Studien sowie einer Burden-of-Proof-Analyse (Nature Medicine 2024). Die Risikoschätzungen variieren je nach Krebsart und Studiendesign. Publikationsbias und unvollständige Bereinigung um Störfaktoren sind anerkannte Einschränkungen in diesem Forschungsfeld.