Ist eine Fastenimitationsdiät wirksamer als einfach weniger zu essen?
Eine Fastenimitationsdiät zeigt vielversprechende Effekte auf mehrere Gesundheitsmarker, doch ob sie besser wirkt als einfach weniger zu essen, ist nicht belegt. Wer sie ausprobieren möchte, sollte wissen, dass unabhängige Langzeitdaten fehlen und die Kosten kommerzieller Pakete real sind.
Drei Zyklen einer Fastenimitationsdiät (fünf Tage pro Monat) verbesserten in einer Studie mit 100 überwiegend gesunden Personen mehrere Gesundheitsmarker gleichzeitig: Körpergewicht, Bauchfett, Blutdruck, Nüchternglukose, LDL-Cholesterin und Entzündungswerte. Die Effekte waren am größten bei Personen, die bereits erhöhte Risikowerte aufwiesen. Eine weitere Studie mit 102 Teilnehmern mit Übergewicht oder Adipositas zeigte, dass nach sechs monatlichen Zyklen der Anteil der Personen mit vermindertem Geruchssinn von 38 % auf 6 % sank und sich auch kardiometabolische Werte verbesserten. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht gemeldet.
Eine Sekundäranalyse einer dieser randomisierten Studien ergab, dass drei FMD-Zyklen mit einem mittleren Rückgang des biologischen Alters um 2,5 Jahre verbunden waren, gemessen anhand von Blutwerten. Zusätzlich zeigte sich weniger Insulinresistenz und weniger Leberfett, unabhängig vom Gewichtsverlust. Der Hauptforscher hinter mehreren FMD-Studien hält finanzielle Anteile an dem Unternehmen, das das FMD-Produkt vertreibt (L-Nutra). Das macht eine unabhängige Wiederholung dieser Ergebnisse besonders wichtig, bevor man weitreichende Schlüsse zieht.
Der direkte Vergleich mit schlichter Kalorienreduktion ist die Schwachstelle dieser Evidenzlage. Es gibt keine Studie, die das FMD über einen längeren Zeitraum direkt gegen herkömmliche Kalorienreduktion testet. Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass beide Ansätze zu Gewichtsabnahme führen können, dass dauerhaft weniger essen in der Praxis aber wegen psychologischer und sozialer Hürden schwer durchzuhalten ist. Ob das FMD langfristig besser abschneidet, lässt sich derzeit nicht sagen.
Für Menschen, die abnehmen oder kardiometabolische Risiken senken möchten, liefert das FMD vorläufige Hinweise auf einen Nutzen. Ein einfaches, durchgängig kalorienreduziertes Ernährungsmuster ist für die Gewichtsabnahme mindestens ebenso gut belegt. Das FMD ist attraktiv für Menschen, die eine tägliche Nahrungsrestriktion nicht durchhalten, doch die höheren Kosten eines kommerziellen Pakets und das Fehlen langfristiger Vergleichsdaten sind reale Einwände.
Die Evidenzlage stützt sich auf drei randomisierte Studien mit zusammen einigen hundert Teilnehmern sowie mehrere Übersichtsarbeiten. Die FMD-Studien sind zu klein für belastbare Schlussfolgerungen, und mehrere wurden von Forschern durchgeführt oder mitfinanziert, die ein finanzielles Interesse am FMD-Produkt haben. Eine klinische Studie, die FMD und herkömmliche Kalorienreduktion in einem gut konzipierten Design direkt vergleicht, fehlt vollständig.
Funktioniert die Fasting-Mimicking-Diät, zum Beispiel Prolon?
Für gesunde Menschen mit Risikofaktoren wie erhöhtem Blutdruck oder erhöhten Blutfetten gibt es Hinweise auf kurzfristige Vorteile. Langzeiteffekte und der Nutzen bei Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs sind bisher fast ausschließlich in Tierversuchen untersucht.
Hilft weniger essen dabei, länger zu leben?
Bei Versuchstieren ist der Effekt auf die Lebensdauer gut belegt, bei gesunden Menschen fehlt jedoch ein direkter Beweis. Ein maßvolles und dauerhaft umsetzbares Essmuster ist klüger als extreme Restriktion; besprich größere Änderungen deiner Ernährung mit einer Ernährungsfachkraft oder einem Arzt.
Lebst du wirklich länger, wenn du dauerhaft weniger Kalorien isst?
Bei Versuchstieren verlängert weniger essen die Lebensdauer überzeugend, für gesunde Menschen ohne Übergewicht ist das jedoch nicht belegt. Wer von dem profitieren möchte, was tatsächlich nachgewiesen ist, fährt mit mäßig reduzierter Kalorienzufuhr oder einem unterbrochenen Essmuster am sichersten und am besten begründet.
Lebst du länger, wenn du dich vegetarisch oder pflanzlich ernährst?
Eine qualitativ hochwertige pflanzliche Ernährung hängt mit einer geringeren Frühsterblichkeit zusammen – aber strikt vegetarisch oder vegan zu essen ist nicht nachweislich besser als eine abwechslungsreiche Kost mit gelegentlichem Fleisch- oder Fischverzehr.
Verbessern Fasten oder weniger Essen dein Gedächtnis und deine Konzentration?
Es gibt vorsichtige Hinweise, dass deutlich weniger Essen das Gedächtnis verbessern kann, doch die Datenlage ist schwach. Wer seine Konzentration steigern möchte, kann Fasten nicht als bewährte Strategie einsetzen.
Lässt Fasten oder Kalorienreduktion die Haut jünger aussehen?
Fasten und Kalorienreduktion scheinen in Tierstudien die Haut zu schützen, doch direkte Belege beim Menschen, dass die Haut dadurch jünger aussieht, fehlen bislang vollständig. Für praktische Empfehlungen ist es zu früh, auch wenn Nicotinamid (Vitamin B3) als Nahrungsergänzungsmittel bereits beim Menschen zur Hautkrebs-Prävention untersucht wurde.