Schützt Laufen deine Knochen besser als Schwimmen?
Laufen stimuliert den Knochenaufbau deutlich stärker als Aktivitäten ohne Stoßbelastung, doch ein direkter Vergleich mit Schwimmen fehlt in der Forschung. Wer seine Knochen schützen will, profitiert von stoßbelastenden Aktivitäten wie Laufen in jedem Fall mehr als von Schwimmen oder Radfahren allein.
In einer Querschnittsstudie hatten ältere Läufer zwischen 50 und 72 Jahren rund 40 % mehr Knochenmineralgehalt als gleichaltrige Nicht-Läufer – bei Männern wie bei Frauen. Laufen ist eine stoßbelastende Aktivität: Jeder Schritt übt Kraft auf die Knochen aus und regt so die Bildung von neuem Knochengewebe an. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten, die zeigen, wie Belastung knochenbildende Zellen über bestimmte Signalwege aktiviert.
Einen direkten Vergleich mit Schwimmen lassen die verfügbaren Studien nicht zu, weil Daten zum Effekt des Schwimmens auf die Knochendichte fehlen. Bekannt ist, dass Aktivitäten ohne Stoßbelastung die Knochen kaum reizen. Das deutlichste Beispiel ist Radsport: Er senkt die Knochendichte sogar, vor allem an der Hüfte, selbst bei vergleichsweise jungen Fahrern. Radfahrer, die zusätzlich laufen oder andere stoßbelastende Übungen einbauen, verbessern ihre Knochendichte dagegen nachweislich. Schwimmen belastet die Knochen ähnlich wenig wie Radfahren, was biologisch auf einen ähnlich geringen Knocheneffekt hindeutet.
Ein Vorbehalt beim Laufen verdient besondere Aufmerksamkeit, speziell für Frauen. Wenn Läuferinnen im Verhältnis zu ihrer Trainingsbelastung zu wenig essen, gerät die Hormonbalance aus dem Gleichgewicht. Der Östrogenspiegel sinkt, und der Knochenaufbau wird beeinträchtigt. Studien zeigen, dass 16 bis 47 % der schlanken Sportlerinnen gestörtes Essverhalten aufweisen, verbunden mit dem Risiko einer geringeren Knochendichte. Laufen schützt die Knochen also nur dann, wenn die Energiezufuhr zur Belastung passt.
Die 40%-Angabe zu Läufern basiert auf einer einzigen Querschnittsstudie (PMID 3945033); Kausalität ist nicht belegt. Zum Schwimmeffekt fehlen in den vorliegenden Quellen vollständige Daten; der Vergleich beruht teilweise auf mechanistischem Schlussfolgern aus dem Prinzip der Stoßbelastung. Radsportdaten (PMID 35734792) liefern indirekten Beleg für die Bedeutung von Stoßbelastung.