Was bringt Kreatin für Menschen über sechzig?
Für Menschen über sechzig ist der Nutzen von Kreatin hinsichtlich Muskelkraft, Muskelmasse und Gedächtnis mäßig gut belegt, vor allem in Kombination mit Krafttraining. Die übliche Dosierung von 3 bis 5 Gramm pro Tag ist bei gesunden Nieren sicher.
Kreatin macht ältere Menschen stärker, besonders in Kombination mit Krafttraining. Sowohl Ober- als auch Unterkörperkraft nehmen zu, und fettfreie Muskelmasse sowie Muskelquerschnitt steigen. Das ist deshalb so relevant, weil Muskelverlust ab sechzig zu den größten Risikofaktoren für den Verlust der Selbstständigkeit zählt. Mehr Kraft zeigt sich auch im Alltag: schneller aus dem Stuhl aufstehen, sicherer gehen und insgesamt mobiler bleiben.
Ein bemerkenswertes Ergebnis liefert die Gedächtnisforschung. Bei älteren Erwachsenen zwischen 66 und 76 Jahren verbesserte Kreatin das Gedächtnis messbar. Der Effekt war deutlich größer als bei jungen Menschen, bei denen kein Unterschied festgestellt wurde. Das legt nahe, dass das Gehirn älterer Menschen stärker von zusätzlichem Kreatin profitiert, möglicherweise weil die Energieversorgung im Gehirn mit den Jahren etwas nachlässt.
Für Frauen nach den Wechseljahren gibt es einen weiteren Grund, Kreatin in Betracht zu ziehen. Bei höherer Dosierung (rund 0,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag) in Kombination mit Krafttraining verbesserten sich nicht nur Muskelgröße und Muskelfunktion, sondern auch die Knochenmasse. Das ist angesichts des erhöhten Osteoporoserisikos nach den Wechseljahren besonders relevant.
Das häufigste Sicherheitsbedenken lautet, Kreatin könnte die Nieren belasten. Bei der üblichen Dosierung von 3 bis 5 Gramm pro Tag trifft das nicht zu. Es gibt keinen Beleg für Nierenschäden bei gesunden Menschen in diesem Dosierungsbereich. Wer bereits eine Nierenerkrankung hat, sollte das vorher ärztlich abklären, denn diese Gruppe ist bisher kaum untersucht worden.
Erste Hinweise deuten darauf hin, dass Kreatin den Blutzuckerstoffwechsel bei älteren Menschen günstig beeinflussen könnte. Dazu gibt es bisher nur wenige Studien mit vorläufigen Ergebnissen.
Alle Aussagen stützen sich auf mehrere PMIDs, darunter eine Metaanalyse zum Gedächtnis (PMID 35984306), eine Metaanalyse zur Kraft bei Erwachsenen (PMID 39519498) sowie mehrere Reviews speziell zu älteren Menschen (PMID 40673730, 33557850, 33800439, 39720835). Die Evidenz ist überwiegend von mäßiger Qualität (moderate); die Aussage zum Blutzucker gilt als begrenzt (limited/assoziativ).