Hat Omega-3 (Fischöl) einen Einfluss auf die Knochenstärke?
Omega-3 verbessert die Knochendichte im Alter offenbar nicht; für den Knochenerhalt sind ausreichend Calcium und Vitamin D die besser belegte Wahl – im Zweifel mit einem Arzt besprechen.
Wer täglich 1 Gramm Omega-3 einnimmt, hat nach drei Jahren keine messbar höhere Knochendichte an Wirbelsäule, Hüfte oder Oberschenkelhalsknochen. Das zeigt die DO-HEALTH-Studie, ein methodisch solider klinischer Versuch mit knapp 1.500 Teilnehmenden. Sie liefert derzeit die stärkste direkte Evidenz zum Thema Omega-3 und Knochen bei Menschen ab 75 Jahren.
Ältere Untersuchungen zeichnen ein uneinheitlicheres Bild. Eine systematische Übersichtsarbeit zu zehn kleineren klinischen Studien ergab: Vier davon fanden positive Effekte auf Knochendichte oder Knochenumbau, fünf sahen hingegen nichts. Keine einzige dieser Studien erfasste das eigentlich entscheidende Ergebnis: Knochenbrüche. Zudem unterschieden sich die Studien zu stark voneinander, als dass sich daraus belastbare Schlüsse ziehen ließen. Ein Detail stach heraus: Der Effekt schien größer zu sein, wenn Omega-3 zusammen mit Calcium eingenommen wurde.
Bei Frauen nach den Wechseljahren senkt Omega-3 einen bestimmten Knochenumbau-Marker (Osteocalcin, ein Eiweiß, das Knochenstoffwechsel anzeigt) geringfügig, während andere Marker für Knochenabbau oder -aufbau unverändert bleiben. Was dieser einzelne Rückgang konkret für die Knochenstärke bedeutet, bleibt offen.
Dazu gibt es bisher nur Tier- und Laborstudien: Sie deuten darauf hin, dass Omega-3 den Calciumstoffwechsel und den Knochenabbau beeinflusst. Die Stoffwechselprozesse beim Menschen unterscheiden sich jedoch zu stark, als dass sich diese Befunde direkt übertragen ließen.
Es gibt biologische Hinweise, dass Omega-3 die Knochen unterstützen könnte, doch die bisher größte klinische Studie bei älteren Menschen fand keinen Effekt auf die Knochendichte. Omega-3 gezielt gegen Knochenverlust einzusetzen, ist damit nicht ausreichend belegt. Für die Knochengesundheit sind Calcium und Vitamin D nach wie vor die Mittel mit der deutlich stärkeren Evidenzbasis.
Stärkste Evidenz: DO-HEALTH RCT (PMID 38613445, n=1493, 3 Jahre, kein Effekt). Ergänzend: systematische Übersichtsarbeit zu 10 kleineren RCTs (gemischte Ergebnisse, PMID 22591899), Metaanalyse bei postmenopausalen Frauen (PMID 29034731), Tier- und Mechanismusstudien (PMID 18301367, 12495271, 32548903) sowie ein Übersichtsartikel (PMID 26598829).