Verlierst du durch die Menopause Muskeln?
Ja, die Menopause beschleunigt den Muskelverlust, und postmenopausale Frauen verlieren mehr Muskelmasse als gleichaltrige Männer. Krafttraining und ausreichend Protein sind die besten Mittel, um diesen Prozess zu verlangsamen.
Postmenopausale Frauen verlieren mehr Muskelmasse und Muskelkraft als gleichaltrige Männer. Dieser Unterschied geht größtenteils auf den starken Östrogenabfall rund um die Menopause zurück. Östrogen regt die Teilung von Muskelstammzellen an und dämpft Entzündungsreaktionen im Muskelgewebe. Fällt dieser Schutz weg, beschleunigt sich der Muskelabbau.
Das ist kein harmloses Begleitphänomen. Mehr als 70 % der Frauen haben während des menopausalen Übergangs Beschwerden an Muskeln und Gelenken. Bei jeder vierten von ihnen sind diese Beschwerden so ausgeprägt, dass sie vorübergehend nicht arbeiten können. Bei einem Teil geht es über gewöhnlichen Muskelverlust hinaus und entwickelt sich eine Sarkopenie: ein klinisch ernstes Krankheitsbild, bei dem sowohl Muskelmasse als auch Muskelfunktion abnehmen.
Neben den Hormonschwankungen sind Bewegungsmangel und eine zu geringe Proteinzufuhr die wichtigsten Faktoren, die du selbst beeinflussen kannst. Beide beschleunigen den Muskelverlust und verstärken die hormonelle Anfälligkeit. Ausreichend Bewegung und genug Protein sind damit die wirksamsten Hebel, um diesen Prozess zu verlangsamen.
Körperliche Aktivität wirkt dabei teilweise über dieselben Wege wie Östrogen auf den Muskel und kann die Folgen des Hormonabfalls zum Teil ausgleichen. Krafttraining ist hierbei am besten untersucht. Wer rund um die Menopause damit beginnt, erzielt den größten Effekt.
Hormontherapie mit Östradiol wird als ergänzender Ansatz erforscht, doch die Befunde sind uneinheitlich: Einige Studien zeigen positive Effekte auf Muskelmasse und Kraft, andere nicht. Besonders in Kombination mit Bewegung und guter Ernährung erscheint das vielversprechend, für belastbare Schlussfolgerungen reicht die Datenlage jedoch noch nicht aus. Wenn du dich für Hormontherapie interessierst, sprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt an.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Übersichtsarbeiten und ein systematisches Review. Die Richtung der Befunde ist einheitlich: Die Menopause beschleunigt den Muskelverlust und erhöht das Risiko für Sarkopenie. Zur Hormontherapie widersprechen sich die Studien, und keine einzige Studie kann für alle Endpunkte vollständig Ursache und Wirkung belegen. Die Forschenden selbst beschreiben die Evidenzlage als moderat: Es reicht, um mit vertretbarer Sicherheit zu sagen, dass der Östrogenabfall die Ursache ist; für Hormontherapie als Gegenmittel ist die Datenbasis jedoch zu schmal für eine klare Empfehlung.