Was ist Sarkopenie, und wie beugst du dem Verlies von Muskelmasse im Alter vor?
Sarkopenie ist der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion und lässt sich mit Krafttraining und ausreichender Proteinzufuhr gut verlangsamen. Fang so früh wie möglich damit an, denn Vorbeugen ist deutlich einfacher als Rückgewinnen.
Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und gleichzeitig von Muskelkraft oder körperlicher Leistungsfähigkeit. Eine geringe Muskelmasse allein reicht für die Diagnose nicht aus: Auch die Muskelfunktion muss eingeschränkt sein. Reviews schätzen die Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung auf 5 bis 10 Prozent, je nach verwendeter Messmethode kann der Wert aber auf bis zu 24 Prozent steigen. Neben dem Altern selbst spielen körperliche Inaktivität, chronische Erkrankungen und eine unzureichende Proteinzufuhr eine wichtige Rolle.
Sarkopenie hat spürbare Konsequenzen. Geringe Handgriffstärke und eine langsame Gehgeschwindigkeit sagen jeweils für sich genommen Stürze, Hüftfrakturen, Mobilitätseinschränkungen und vorzeitige Sterblichkeit bei zuhause lebenden älteren Menschen voraus. Ein bemerkenswertes Detail: Die per Scan gemessene Muskelmasse war in mehreren großen Untersuchungen an zuhause lebenden Älteren gerade NICHT eigenständig mit diesen Ergebnissen assoziiert. Es kommt also mehr darauf an, was deine Muskeln leisten können, als wie viel Gewebe messbar vorhanden ist. Bei Menschen, die gleichzeitig wenig Muskelmasse und viel Körperfett haben (sarkopene Adipositas), sind die Risiken noch größer.
Krafttraining ist die am besten belegte Strategie, um Sarkopenie zu verhindern oder zu behandeln. Es ist jedoch nicht für jeden umsetzbar, besonders nicht für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Ernährung ist die zweite Säule: Eine Proteinzufuhr von mindestens 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag scheint deutlich wirksamer zu sein als die gängige Empfehlung von 0,8 Gramm. Dabei spielen auch die Menge pro Mahlzeit und der Einnahmezeitpunkt eine Rolle. Bedenken hinsichtlich einer Schädigung von Nieren oder Knochen durch eine höhere Proteinzufuhr werden in der verfügbaren Forschung bei gesunden Erwachsenen nicht gestützt.
Eine Kombination aus ausreichend Protein, regelmäßiger Bewegung und der Behandlung zugrunde liegender Entzündungsprozesse liefert die besten Ergebnisse. Medikamente, die gezielt auf den Muskelaufbau abzielen, etwa Wirkstoffe, die einen Hemmstoff des Muskelwachstums blockieren, werden noch erforscht und haben sich für den regulären Einsatz bisher nicht als wirksam erwiesen.
Sarkopenie wird diagnostiziert, indem man sowohl die Muskelmasse misst als auch die Muskelfunktion prüft, zum Beispiel über einen Gehgeschwindigkeitstest oder die Handgriffstärke. Eine Gehgeschwindigkeit unter 1 Meter pro Sekunde in Kombination mit geringer Muskelmasse gilt als etablierter diagnostischer Schwellenwert. Brauchbare Blutwerte als Biomarker stehen bislang nicht zur Verfügung.
Basiert auf mehreren Reviews und nicht näher indizierten Studien (PMID 30098424, 20392703, 32150289, 38945744, 39300120, 26960445, 21527165, 36273495). Randomisierte Studien oder Metaanalysen wurden nicht als direkte Quellen mitgeliefert; die Evidenzstärke für Krafttraining und Proteinzufuhr ist über Reviews gut belegt.